Die Sache mit dem Wahrgenommen werden

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Am Sonntag war ich auf dem Workshop „Mehr Leichtigkeit im Leben mit Kindern“. Vom ersten Teil – bzw. dem, was ich mir dazu gedacht habe, habe ich dir im letzten Beitrag ja schon berichtet. Hast du meinen Tipp vielleicht schon ausprobiert, dir abends zu überlegen was heute alles gut lief? Ich habe es gestern gemacht und muss gestehen, ich brauchte recht lange bis mir fünf Sachen eingefallen sind 😉

Eines unserer aktuell größten Probleme: Sohni steigert sich gerne mal in etwas rein (von wem hat er das nur? ;-)) und hört dann nicht auf zu schreien. Beispiel gefällig? Gestern: Sohni sagt, er hat Durst und will Wasser. Ich fülle also Wasser nach und stelle es auf den Tisch. Bis dahin verständlich, oder? Dann – Gekreische: „Neiiiiiin, ich will kein Wasser, nimm das weeeeeg!!!!“ Aha? Hatte er nicht gerade gesagt, er will Wasser? Naja. „Du musst es ja nicht trinken, lass es halt stehen“ sage ich – noch recht gleichgültig. Gekreischte Antwort: „Ich will das wegschütteeeeen!!!“ Aha. Es ist allerdings nicht so, als würde er es tatsächlich wegschütten. Nein, er steht vor dem Becher und schreit weiterhin, dass er es wegschütten will, dass er es nicht haben will. Gefühlte 80 Mal hinereinander. Lautstark. Vom Sofa aus schreie ich nach ein paar Minuten zurück, dass er doch jetzt bitte mal leiser sein möge, und wenn er das Wasser nicht will, soll er es – verdammtnochmal! – einfach stehen lassen, oder wegschütten, oder von mir aus sonstwas damit machen. Ich gestehe, mir fehlt in solchen Situationen leider völlig das Verständnis für seine Reaktion.

Etwas ähnliches kam nach dem Workshop am Samstag vor: Ich wollte aufs Klo, Sohni kam mit, stand schon mit in der Kabine und dachte dann wohl, ich wolle dass er aufs Klo geht. Wovon nie die Rede war. Impulsiv, wie wir beide nun mal sind, fing er lautstark an zu kreischen, dass er jetzt nicht aufs Klo wolle. Ein kurzes aber lautes Drama begann. Fix und fertig kam ich wieder zurück, der Workshop war zu dem Zeitpunkt schon zu Ende, die Referentin redete noch mit ein paar Teilnehmerinnen. Sie merkte, dass ich ziemlich angespannt war und fragte, was los war. Ich erzählte es ihr, und gab ihr noch andere Beispiele in denen er sich so reinsteigert. Leider ist er dann in dieser Laune so gefangen, dass man absolut nichts machen kann, um ihn zu beruhigen. Beim Wasserglas-Beispiel hätte es erfahrungsgemäß also auch gar nichts gebracht, ihm das Glas wegzunehmen (im Gegenteil, dann hätte er plötzlich geschrien, dass er sein Wasser zurück will…). Die Referentin fragte mich, ob ich das Gefühl habe, dass er mich hört. Also in dem Moment, wenn ich dann zu ihm etwas sage, wie z.B. dass es ok ist, dass er jetzt nicht aufs Klo will – ob er mich da wahrnimmt. Ich musste überlegen, aber letztlich glaube ich, er nimmt mich nicht wahr. Weder mich, noch was ich sage. Könnte das der Knackpunkt sein? Fühlt er sich nicht wahrgenommen? Nicht gehört? Schreit er deshalb so ausdauernd, und immer lauter und lauter? Weil er gar nicht wahrnimmt, dass ich ihn wahrnehme? (Und klingt das jetzt eigentlich nur für mich so paradox??)

Beim Workshop erzählte die Referentin noch etwas zum Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Kinder. Es ging darum, dass Kinder wahrgenommen werden wollen, gesehen und gehört werden wollen. Und um Aufmerksamkeit. Ich muss ja gestehen, ich bin manchmal eine dieser Mütter die am frühen Abend mit dem Handy auf dem Sofa liegen und nur noch „ja ja“ sagen, wenn sie angesprochen werden. Ich bin dann einfach müde, lustlos, ko. Ich mag mich nicht großartig mit irgendwas beschäftigen und will meine Ruhe haben. Aber da ist Sohni, und der will dass ich ihn anschaue. „Mama schau mal, der Pirat hat wieder sein Schwert“. „Mhm“. Ich schaue maximal kurz auf und mime Bewunderung für den Piraten (hatte der das Schwert nicht eh schon die ganze Zeit??).

Ich kann nicht behaupten, dass Sohni grundsätzlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Eigentlich bekommt er sogar sehr viel. Aber vielleicht nicht dann, wenn er es braucht? Oder nicht so, wie er es braucht? Wenn ihn das – wohlgemerkt gerade erst selbst verlangte – Wasserglas so sehr stört, dass er sich in einen Anfall reinsteigert – vielleicht darf ich dann nicht einfach vom Sofa aus rufen, dass es doch egal ist, ob er es jetzt trinkt oder nicht. Vielleicht muss ich hingehen, mich vor ihn setzen, ihn in den Arm nehmen und sagen „Ich höre dich. Ich habe gehört, dass du das jetzt nicht willst. Es ist in Ordnung“. Auch wenn das wie aus einem Pseudo-Heile-Weilt-Erziehungsratgeber klingt, ich werde das die kommenden Tage beobachten und ausprobieren. Ich bin sicher, ich werde genug Gelegenheiten bekommen 😉

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