Gedanken zu verschiedenen Arten der Aufmerksamkeit

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Bei Das gewünschteste Wunschkind habe ich zufällig einen Artikel über Aufmerksamkeit gelesen, der wunderbar zu dem passt, worüber ich mir gestern Gedanken gemacht habe. Nämlich, ob ich Sohni vielleicht manchmal nicht die Art Aufmerksamkeit gebe, die er braucht. Zumindest dann, wenn er seine berüchtigten Wut(?)anfälle hat.

Der Artikel basiert auf dem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe für Kinder: Wie Kinder Liebe ausdrücken und empfangen“ von Gary Chapman und Ross Campbell. Es geht darum, „Sprachbarrieren“ abzubauen, da jeder Mensch eine eigene bevorzugte Sprache hat, in der er seine Liebe ausdrückt und auch empfangen will. Die „Sprachen“ von denen die Rede ist, sind

Lob und Anerkennung: Das Kind braucht Lob und andere positive Rückmeldungen mehr als z.B. in den Arm genommen zu werden, wenn es diese Liebessprache spricht. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern etc. gehört dazu.
ungeteilte Aufmerksamkeit: Die Eltern sollen sich ganz auf das Kind konzentrieren, z.B. spielt es zwar allein, möchte aber dass die Mutter dabei zuschaut „Mama schau, Mama schau…, setz dich zu mir“. Dadurch fühlt es sich geliebt.
Geschenke: kommt offenbar selten vor, Kinder mit dieser Sprache schätzen nicht den materiellen, sondern den ideellen Wert des Geschenkes, merken sich wann, wo und von wem es kam, heben es auf, zeigen es gerne herum etc.
Hilfe: Das Kind fühlt sich geliebt, wenn die Eltern ihm bei etwas helfen, dass es eigentlich schon alleine kann, Treppen runtergehen, sich anziehen etc. Diese Kinder haben es oft schwer, da viele Eltern Selbstständigkeit fördern möchten und dem Kind dann Hilfe verweigern, wenn sie wissen, dass es das Kind auch allein schaffen kann.
Körperkontakt: Diese Kinder wollen viel kuscheln, auf den Arm  genommen werden, auf dem Schoß sitzen, Händchen halten etc.

Durch den Gebrauch unterschiedlicher Sprachen kann es vorkommen, dass das Kind ständig Aufmerksamkeit fordert, obwohl z.B. die Mutter der Meinung ist, dem Kind ständig Aufmerksamkeit zu geben. Wie kann es also noch mehr wollen? Die Mutter gibt vielleicht ununterbrochen Kuscheleinheiten, das Kind will aber eigentlich die ungeteilte Aufmerksamkeit beim spielen. So könnte am Abend tatsächlich das Kind den Eindruck haben, die Mutter habe es gar nicht beachtet, weil die Kuscheleinheiten für es nicht als Aufmerksamkeit zählen.

Welche Sprache sprichst du? Welche dein Kind? Stimmen Sender und Empfänger überein? Oder muss evtl. etwas am Regler gedreht werden, damit beim Kind auch ankommt, was du eigentlich ausdrücken willst?

Hast du dich und/oder dein Kind in einer der fünf Sprachen wiedergefunden? Ich bin ja der totale Kuschelmensch 🙂 Mit Lob oder Geschenken hingegen fange ich persönlich nichts an, zumindest bedeutet mir beides nichts – ich sehe darin keine Aufmerksamkeit im Sinne von Liebe. Bei Sohni müsste ich jetzt überlegen. Sehr stark braucht er auf jeden Fall Körperkontakt. Zum Glück passen wir da also wirklich gut zusammen! Hilfe mag er aber auch gern, er lässt sich abends gern mal die Treppe runtertragen, anziehen mag er sich auch nicht selbst, obwohl er es mit 3 schon könnte. Neulich wollte er sogar gefüttert werden 😀 Da hat er auch Glück, dass ich gerne helfe und es mir egal ist, wie „unselbstständig“ er damit ist. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit hingegen hat er nicht sehr oft, verlangt sie aber auch selten. Das dürfte seinen Liebesspeicher nicht so sehr füllen wie das Kuscheln oder das gelegentliche helfen. Die Theorie ist, dass jeder Mensch eine dieser Sprachen als Hauptsprache spricht. Durch diese werden Liebestank und Aufmerksamkeitsspeicher am schnellsten und besten gefüllt. Mit anderen Sprachen hingegen dauert das Auffüllen schon etwas länger, mit einigen lässt sich der Speicher vielleicht sogar gar nicht auffüllen.

Wenn also Mutter und Kind (oder auch Vater und Kind) dieselbe Sprache sprechen, sollte alles prima sein. Wenn dir jetzt aber z.B. aufgefallen ist, dass es da durchaus zwei unterschiedliche Sprachen bei euch gibt, solltest du dir immer wieder Zeit nehmen, deinem Kind in seiner Sprache Aufmerksamkeit zu geben. Mir erscheint diese Theorie durchaus logisch. Ich weiß von mir selbst dass ich in Beziehungen ständig, wirklich ständig in den Arm genommen werden will. Bringt Mann mir jedoch eine kleine Aufmerksamkeit mit und glaubt mir damit eine Freude gemacht zu haben, finde ich das zwar ganz nett, aber überhaupt nicht notwendig, und in den Arm genommen werden will ich dann trotzdem und im Grunde ist es mir egal, ob er mir da jetzt nun Blumen oder sonstwas mitgebracht hat, oder nicht.

Ausgehend von dieser These denke ich also nicht, dass Sohni zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Ich werden trotzdem die nächsten Tage darauf achten, was für eine Art von Aufmerksamkeit er verlangt und schauen, ob ich mit meiner Einschätzung Kuscheln + Hilfe richtig liege.

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4 Gedanken zu “Gedanken zu verschiedenen Arten der Aufmerksamkeit

    • Ja, ich denke schon 🙂 Nicht richtig lag ich vermutlich damit, dass man mit der „richtigen“ Aufmerksamkeit seine preisgekrönten Ausraster mildern könnte. Da dürfte es eine andere Ursache geben – nächste Woche gibt es endlich einen Termin zur Diagnostik, von dem ich natürlich berichten werde. Dann weiß ich mehr 🙂

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      • Manchmal ist die „richtige“ Aufmerksamkeit vielleicht auch die fehlende Aufmerksamkeit.
        Ich fühle mit Dir, denn ich kenne das von meiner Jüngsten. Die ist zwar jetzt schon dreizehn, aber ich hab quasi das gleiche erlebt.
        Wenn sie sich dann mal wieder auf den Boden geschmissen oder das ganze Haus zusammengebrüllt hab, hab ich sie ignoriert. Fällt schwer, war aber auf Dauer effektiv.
        Und ich mach das auch jetzt noch so, mit lautstarken Auseinandersetzungen kommt man bei mir nicht weit. Und: wenn ich ne Konsequenz ankündige, dann zieh ich das auch durch. Bei uns ist auch schon mal Weihnachten ausgefallen … Zum Glück treibt sie es nur noch sehr selten auf die Spitze 😉

        So habe ich mir meinen täglichen Frieden organisiert, der auch jetzt in der Pubertät noch nachwirkt.

        Ich finde es hier in Deinem Blog total spannend zu lesen … könnte so gut wie alles von mir stammen 🙂
        Fühl Dich gedrückt! ❤

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