Auf der Suche nach dem heiligen Schlaf

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Als Kind waren meine Berufswünsche nicht etwa Krankenschwester oder Schauspielerin. Ich wollte Archäologin werden, wie Indiana Jones. Ich wollte nach verborgenen Schätzen suchen, Dinge ausgraben, Entdeckungen machen, Rätsel lösen, Geheimnisse lüften. Oder wenigstens Detektivin werden und einem Club wie TKKG beitreten. Ebenfalls nach Dingen suchen, Schlüsse ziehen, Spuren nachgehen, Verbrechen aufklären.

Die Ernüchterung kam im Teenager Alter, als wir von der Schule aus ins Berufsinformationszentrum gingen um uns über unsere Traumberufe zu informieren. Mehrere Jahre studieren, stand da. Latein lernen. Das war noch nicht das schlimmste: dort stand, die meisten ArchäologInnen arbeiten nur in einem Museum, an richtigen Ausgrabungen nehmen die wenigsten teil. Schon gar nicht an großen, wirklich bedeutenden. Und diese werden dann nicht gut bezahlt, man braucht einen Auftraggeber, einen Sponsor – diese seien nicht leicht zu finden, stand dort. Keinesfalls würde man damit reich. Oder etwa berühmt. Mir wurde schlagartig klar dass ich nicht die sein würde, die eines Tages das Grab der Kleopatra entdeckt. Also habe ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und später Kultur- und Sozialanthropologie studiert.

Und bin heute, dank Sohni, meinem damaligen Berufswunsch näher denn je: Ich suche nach verborgenen Schätzen. Täglich. Nach winzigen Playmobil Piraten Schwertern, die irgendwo unter dem Sofa liegen müssen. Bei den Ausgrabungen dort mache ich manches Mal Entdeckungen, die ich dort nicht vermutet und erwartet hätte – Brotrinden und benutzte Taschentücher zum Beispiel. Nicht immer finde ich das, was mein Auftraggeber gewünscht hat. Ein fehlendes Puzzleteil, das bei seinem Verschwinden keine Spuren hinterlassen hat, denen man nachgehen könnte. Stattdessen finde ich Spuren von Schokoladenfingern an der Wand, die ins Leere führen. Auch Verbrechen aufklären musste ich schon manches Mal – wer hat hier wen zuerst geschlagen/gebissen/gekratzt? Wer hat wem was zuerst weggenommen?

In Filmen suchen ArchäologInnen immer etwas bestimmtes. Etwas, womit sie sich schon seit Jahren beschäftigen. Vielleicht schon ihr ganzes Leben. Jede freie Minute verbringen sie damit. Während Indiana Jones nach dem heiligen Gral sucht, suche ich nach dem heiligen Schlaf. Einer Möglichkeit, noch wenigstens 10 Minuten weiterschlafen zu können, obwohl das Kind schon wach ist, neben mir steht und mich vollquasselt. Jedes Wochenende arbeite ich an einer Lösung. Vielleicht komme ich dem Geheimnis des verlorenen Schlafes schon morgen auf die Spur. Vielleicht kommt dann der große Durchbruch – eine Entdeckung, die ich mit euch allen teilen kann, für die ich berühmt werde. Was ich damals im BIZ gelesen habe stimmt allerdings wirklich: Reich wird man damit nicht 😦

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