Man muss sich auch mal ägern dürfen

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Ich finde, man muss sich als Mutter auch einfach mal ärgern dürfen. Über das Kind. Und über alles andere auch. Nicht-ärgern ist irgendwie unmenschlich. Unecht. Niemand ist doch immer mit allem einverstanden und glücklich, oder?

Wenn ich mich ärgere, dann ärgere ich mich nicht leise in mich hinein, im stillen Kämmerlein, ohne dass es jemand merkt. In der Tat ist es glaube ich ziemlich schwierig nicht zu bemerken, dass ich mich ärgere. Ich bin impulsiv und mit einer großen Portion Temperament ausgestattet. Es ist nicht zu überhören, wenn ich mich ärgere 😉

Manchmal ärgere ich mich über Sohni. Über seine Reaktionen, sein Verhalten – oder auch nicht-Verhalten. Meistens bin ich gar nicht von Anfang an ärgerlich, ich finde sogar, dass ich in den letzten Jahren ziemlich viel aushalte. Aber wenn dann der eine berühmte Tropfen das Fass zum überlaufen bringt … Da gibt´s dann eine Explosion und es wird geschrien. Laut und kräftig. Und wenn ich etwas in der Hand habe, fliegt das dann auch schon mal quer durch den Raum.

Wie gesagt kommt das eigentlich nicht soo oft vor. Um mich soweit zu bringen, muss man schon ziemlich viel an Vorarbeit leisten. Und es schaffen auch nur Menschen, mit denen ich viel Zeit verbringe. Der Rest, wie etwa Arbeitskolleginnen, könnten mich vermutlich gar nicht so sehr auf die Palme bringen. Aber mit Sohni verbringe ich ja relativ viel Zeit, vor allem am Wochenende. Und da kann es dann schon mal krachen. Je nachdem wie die Woche war, wie ich geschlafen habe, was mich gerade sonst so beschäftigt etc. hat mein Fass eine andere Füllmenge – und je nach Füllmenge dauert es länger oder weniger lang, bis es überläuft.

Ich habe früher schon darüber nachgedacht wie ich es finde, dass ich mein Kind manchmal anschreie. So wie die meisten fand ich es „falsch“ sein Kind anzuschreien. Sowas darf man nicht machen. Das arme Kind. Das kann ja nichts dafür, es ärgert mich ja nicht mit Absicht. Tatsächlich ärgere ich mich auch oft über was komplett anderes, derweil noch im Stillen, und dann kommt Sohni und macht irgendeinen Blödsinn der mein Fass zum überlaufen bringt – und bekommt die Explosion ab. Fair ist das nicht.

Und ja, ich kenne natürlich genug Methoden mit denen ich mich „runterholen“ könnte, mit denen ich Situationen auflösen kann usw. Manchmal klappt das aber nicht in dem Moment, oder – ganz ehrlich – ich habe gerade keine Lust dazu. Manchmal will ich mich einfach ärgern. Und den Ärger raus lassen. Das Fass umschmeißen und alles Wasser rauslaufen lassen, damit es wieder leer ist und ich nicht so angespannt bin, weil es jederzeit überlaufen könnte.

Ich bin nicht stolz darauf, dass ich Sohni manchmal anschreie. Aber so dramatisch finde ich es auch nicht (mehr). Manchmal habe ich das Gefühl, Mütter versuchen eine Art überperfektes Vorbild zu sein – niemals traurig, niemals zornig, immer verständnisvoll und lieb. Menschen haben aber mehr Facetten als das. Wir haben eine riesige Bandbreite an Emotionen zur Verfügung, warum sollten wir den Kindern vorleben, nur die (vermeintlich) guten zu leben? Wenn ich mich ärgere, will ich das nicht vor Sohni verstecken müssen und so tun, als wäre alles in Ordnung. Es mag nicht meine beste Eigenschaft sein, aber es ist eine Eigenschaft von mir.

Meistens warne ich Sohni vor, dass er mich bitte in Ruhe lassen möge, weil ich schlechte Laune habe. Wenn es aber doch soweit kommt, entschuldige ich mich hinterher dafür. Das ist meiner Meinung nach das wichtigste. Ich will damit nicht sagen, dass herumschreien etwas Gutes ist und jeder ab sofort seinen Ärger lauthals rausbrüllen sollte – was ich allerdings sagen will ist, dass man ruhig ehrlich und authentisch sein kann. Kinder dürfen ruhig merken, dass ihre Eltern keine perfekten Übermenschen sind, sondern auch ihre Macken haben. Vielleicht „lernen“ sie, diese zu übernehmen. Vielleicht aber auch nicht. Sie werden aber lernen dass niemand perfekt ist, und das man mit den Macken seiner Mitmenschen umgehen muss. Und seien es nun mal die der Eltern.

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