Zeit für mich ist … Zeit für was genau eigentlich??

 

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Immer wieder mal höre ich, ich bräuchte doch auch mal Zeit für mich. Ich bin – schon immer – alleinerziehend. Nicht nur das, ich bin ganzalleinerziehend. Das heißt, es gibt weder Kindesvater, der ab und zu auf Sohni aufpasst, noch Familie in der Nähe – die wohnt nicht mal im gleichen Land wie ich. Es bin tatsächlich nur ich. Und der Kindergarten. Und neuerdings eine Leihoma für 1,5 Stunden in der Woche, mit der ich aber nicht 100%ig zufrieden bin. Dazu irgendwann mal mehr. Bisher bin ich in der Zeit wo sie kam ganz einfach nur einkaufen gegangen. Nicht etwa Schuhe und Handtaschen, nein – Lebensmittel. Spannend 🙂

Das ich Zeit für mich brauche, haben mir in den letzten 3 Jahren wirklich schon viele gesagt. Freunde, Bekannte, Leute aus Beratungseinrichtungen, Ratgeber. Aber was soll ich in dieser ominösen Zeit eigentlich machen? Und habe ich die nicht sowieso? Ich meine, Sohni ist ja nicht 24 Stunden am Tag wach. Bis vor einem Jahr hat er sogar noch einen Mittagschlaf gemacht, als Baby hat er 3-4 mal am Tag geschlafen. Hatte ich in der Zeit nicht immer „Zeit für mich“?

Ich gehöre zu den seltsamen Menschen, denen es am besten geht, wenn sie eine Aufgabe haben. Oder noch besser gleich mehrere. Richtig gut ging es mir, als ich tagsüber 38,5 Stunden gearbeitet habe und abends 20 Stunden das Abendgymnasium besucht habe. 4,5 Jahre lang. Das war super – ich hatte immer etwas zu tun, und auch am Wochenende tauchte nie die Frage auf, was ich mit meiner Zeit jetzt wohl anfangen soll. Für die Schule war schließlich immer was zu tun, und einen Partner hatte ich damals auch, mit dem ich Zeit verbringen konnte.

Später dann habe ich angefangen zu studieren, da war ich 27. Ich hatte zuerst keinen Nebenjob, sondern habe mich nur aufs Studium konzentriert. Das führte dazu, dass ich nicht nur in der Mindestzeit den Bachelor hatte, sondern auch noch für den Master vorgearbeitet hatte. Dann wurde mir mit „nur“ studieren zu langweilig und ich nahm einen 20-Stunden Job an. Bekam ein Jahr später ein Kind, studierte ganz normal weiter. Während und auch nach der Karenz habe ich meine Masterarbeit geschrieben. Neben Job und (alleinerziehende) Mutter sein. Extrem stressig waren davon nur die letzten 2 Monate, wo ich keine Zeit zum lernen gefunden habe. Aber ansonsten fand ich es toll – ich hatte meine Aufgaben.

Jetzt ist das Studium zu Ende und ich gehe nur noch arbeiten. 30 Stunden die Woche. Dann hole ich Sohni ab, der sich zu Hause eigentlich selbst beschäftigt und um 20 Uhr schläft. Mir ist ziemlich oft ziemlich langweilig 😉 Ich weiß also so schon nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, wenn ich jetzt also sogar noch mehr Zeit hätte, nämlich „Zeit für mich“ – was täte ich damit? Was würde ich da tun, was ich nicht auch unter der Woche ab 20 Uhr tun kann? Ich gestehe, mir fehlen die Ideen.

Am Wochenende schlug mir eine Freundin vor, mir doch alle 14 Tage samstags eine Babysitterin zu leisten. Um Zeit für mich zu haben. Sie soll Sohni abholen und mit ihm rausgehen, ich könnte dann baden, lesen, Fernsehen, oder einfach nur auf dem Sofa liegen. Das sind aber alles Sachen, die ich jeden Tag am Abend machen kann. Ich habe nicht das Gefühl jemanden dafür bezahlen zu müssen, um mir Zeit für mich zu verschaffen. Ich habe mehr Zeit als mir lieb ist!

Allerdings finde ich die Idee inzwischen ziemlich gut, 14tägig eine Babysitterin zu organisieren. Allerdings würde es mich stressen, wenn ich sie hätte damit ich mal Zeit für mich habe. Es würde mich stressen mir etwas auszudenken, was ich in der Zeit tun soll. Und es würde mich stressen, dass es etwas besonders tolles, oder besonders entspannendes sein müsste, damit sich das auch lohnt. Ich habe jetzt aber angefangen den Blickwinkel zu ändern: Die Babysitterin würde nicht zu mir kommen, damit ich Zeit habe, sondern zu Sohni,  damit sie mit ihm etwas unternimmt, wie etwa ausgedehnte Spielplatzbesuche (zu denen ich mich nie aufraffen kann). Es geht also gar nicht um mich. Und meine Zeit.

Mit dieser Sichtweise kann ich mich langsam wirklich gut anfreunden. Dass ich dann „Zeit für mich“ hätte, wäre nur ein Nebeneffekt. Nicht so wichtig, was ich dann damit mache, weil um die geht es gar nicht. Jemand sorgt für ein wenig Action in Sohni´s Leben und ich komme nebenbei zu Zeit. Noch mehr Zeit. Klingt für mich erstmal nicht prickelnd weil ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Aber wer weiß, vielleicht ist es am Ende doch ganz toll. Und ich muss mir nur merken, sie kommt nicht für mich, sie kommt für Sohni 🙂

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5 Gedanken zu “Zeit für mich ist … Zeit für was genau eigentlich??

  1. Niemand, der nicht selbst alleinerziehend ist, kann das nachvollziehen. Dass man gar nicht unbedingt Zeit für sich braucht, da man davon ja genug hat. 🙂
    Die Idee mit der Babysitterin für Sohni finde ich toll! Das ist ein bißchen wie … loslassen. Erlauben, dass Sohni auch mit anderen Spaß hat, „die Welt mit anderen Augen sehen“.
    Ich glaube, meinen Mädels hätte sowas auch mal gut getan, aber nun sind sie groß …

    Alles Gute für Euch 🙂
    Liebe Grüße, Karen

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  2. Ich würde die freie Zeit nutzen um mal aus den 4 Wänden raus zu kommen – Kino, bummeln, Sport, essen gehen, einen Kurs besuchen, Museum, Theater usw
    Das stell ich mir als Ganz-AE nämlich wirklich schwer vor zu organisieren.

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    • Ja, da hast du recht. Jedes außerhausgehen muss genau geplant und organisiert werden. Heute habe ich mir einen kleinen Workshop gegönnt. 5 (!) Leute musste ich fragen ob sie zum babysitten Zeit haben. Da vergeht einem nach der dritten Absage schon langsam die Lust und man fragt sich, ob man den wirklich so dringend und gern mal raus will. Aber letztlich war ja alles gut 🙂

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