Warum ich später mal ein Hörgerät brauchen werde und froh bin, keinen Partner zu haben

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Ich hab eine neue Theorie: Das zukünftige Hauptklientel von Hörgeräte-Geschäften (haben die eigentlich einen Namen??) werden nicht die heutigen Teenies sein, die den ganzen Tag mit Kopfhörern laute Musik hören. Es werden die heutigen Mütter sein! Es ist unglaublich, was für einen ohrenbetäubenden Lärm Kinder machen können. Ein einzelnes Exemplar reicht für einen bleibenden Hörschaden sicherlich aus. Zumindest meins.

Ab dem Moment wo Sohni aufwacht, redet er. Das ist theoretisch toll, denn er hat erst sehr spät angefangen zu reden und ich bin froh, dass er inzwischen schon so gut spricht. Aber den ganzen Tag ohne Pause ist dann doch irgendwie anstrengend. Und das allein ist es nicht mal, er ist sooo laut! Manchmal habe ich das Gefühl, er kann gar nicht leise reden. Außer man fordert ihn explizit auf, zu flüstern. Das macht er dann für ca. 30 Sekunden und findet es lustig. Danach wieder volle Lautstärke. Vorhin habe ich versucht, ein YouTube Video anzuschauen. Sohni saß auf dem Fußboden und hat mit einem Dinosaurier und einem Playmobil Piraten gespielt. Aus irgendeinem Grund dachte ich, ich könnte jetzt also ein 6 Minuten langes Video anschauen. Ich hatte den Laptop fast auf voller Lautstärke und habe dennoch nicht viel verstanden. Man ahnt ja nicht, wie laut so ein Dinosaurier-Piraten-Spiel sein kann…

Oft kann ich diese permanente Lautstärke ausblenden, heute war irgendwie nicht so ein Tag. Dazu kam nämlich noch, dass er mir ständig auf die Pelle rückt. Unsere Wohnung ist nicht riesig, aber doch groß genug. Trotzdem befindet sich Sohni meist auf dem selben Quadratmeter wie ich. Auf dem Sofa oder im Bett kann man das sogar noch auf Quadratdezimeter runterbrechen. Ich bin der totale Kuscheltyp, aber selbst mir wird es irgendwann einfach zu viel.

Am Vormittag habe ich ein wenig auf der Terrasse gewerkelt, Sohni die meiste Zeit mit dabei. Laut wie immer, und draußen ists mir auch noch ziemlich unangenehm, weil es mich immer an den Wutausbruch einer Nachbarin erinnert. Die Terrasse ist nicht gerade klein, er müsste dort also nicht so dicht an mir dran sitzen, dass wir uns berühren. Scheint aber trotzdem unmöglich zu sein… Anschließendes gemeinsames Fernsehen: er sitzt fast auf mir drauf, und immer wenn ich ihn wegschiebe, fuchtelt er noch so mit seinen Armen herum dass ich ihn ständig irgendwo abbekomme. Aber wie steht es so schön in seiner Diagnose? Er ist „distanzlos“. Ja, das kann ich bestätigen 😀 Und ich bin wirklich, wirklich wahnsinnig froh, dass ich keinen Partner habe. Noch mehr Körperkontakt hält glaube ich kein Mensch aus – ich müsste meinen Partner ausquartieren und würde vermutlich einen Tobsuchtsanfall bei der nächsten zufälligen Berührung bekommen.

An vielen Tagen macht mir weder die Lautstärke, noch der permanente Körperkontakt etwas aus. Wie gesagt bin ich ja selbst sehr kuschelwütig. Wobei es an Tagen wie diesen gar nicht so ist, dass er kuscheln würde. Sein Bein klebt an meinem. Seine Hand landet auf meinem Arm. Er schiebt sich hinter mich aufs Sofa. Er setzt sich so hin, dass seine Füße mich berühren. In einer Tour durch habe ich Sohni irgendwo irgendwie an mir dran.

Wochenenden sind da aber natürlich auch speziell, da hängen wir 48 Stunden gemeinsam rum. Das ist wesentlich unentspannter als ein Wochentag, wo ich arbeiten gehen kann. Arbeiten ist ziemlich toll: dort ist es zwar auch oft laut, aber die Frequenz ist erträglicher, und ich werde nicht ständig angefasst. Eigentlich gar nicht 🙂

So, nun ist Samstag Abend, und ich habe noch den ganzen Sonntag vor mir. Wenn ich Glück habe und das Wetter passt, komme ich morgen etwas raus. Ich weiß nämlich schon, dass ich morgen so empfindlich sein werde wie heute. Wenn ich mal so „dünnhäutig“ bin, dauert das ein paar Tage bis es vorbei ist. Mich stört dann einfach jedes Geräusch und jede Berührung.

Deshalb freue ich mich um so mehr auf Sohni´s Schlafenszeit – heute werde ich in vollkommener, himmlischer Stille vor dem Laptop sitzen, oder gaaaanz leise einen Film schauen. Herrlich! Wehe dem, der heute noch mit mir reden will…

 

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