Affirmationen, Glaubenssätze, und was das mit Müttern und Kindern zu tun hat

Affirmationen Glaubenssätze

Heute gibt es mal wieder einen Beitrag aus meinem Lieblingsthema Persönlichkeitsentwicklung/Coaching/Mentaltraining. Das war ein großes Interessensgebiet von mir lange vor der Geburt von Sohni, und ist dann leider etwas eingeschlafen. Seit einiger Zeit habe ich aber das Glück, mich wieder intensiver damit beschäftigen zu können. 2015 hatte ich die Gelegenheit ein Wochenendseminar bei Pierre Franckh und Michaela Merten zu besuchen – das war wirklich ein ganz besonderes Wochenende, und ich habe viel gelernt. Seit März 2016 gibt es das Happiness House – eine wunderbare Onlineplattform, für alle die nicht zu den Seminaren fahren können/wollen. Und dadurch dass man dort stetig am Ball bleibt, tut sich auch stetig was im Leben. Schön ist das 🙂

Glaubenssätze – Du bist was du denkst

Ich möchte dir heute Affirmationen vorstellen. Falls du das Wort noch nie gehört hast: Das sind nichts anderes als Glaubenssätze. Solche Glaubenssätze hat jeder von uns tief verankert, meist sind sie negativ. Ein paar Beispiele:

Ich bin zu dick. Mich mag niemand. Jeder meidet mich. Ich kann nicht singen. Mich wird sowieso niemand heiraten. Ich habe ständig Pech. Alles was ich anfasse, geht kaputt. Ich werde nie einen guten Job bekommen. Ich werde nicht ernst genommen. Niemand hört mir zu. Nur wenn ich hart arbeite, habe ich Erfolg. Das Leben ist schwierig. Der schlimmste von allen: Ich bin nicht gut genug.

Kommt dir irgendwas davon bekannt vor? Entdeckst du ähnliche Denkmuster bei dir? Wir alle haben uns solche Überzeugungen im Laufe der Jahre antrainiert, bzw. zum Teil auch schon von unseren Eltern in frühester Kindheit einreden lassen.

Stell dir vor, eine Mutter sagt oft zu ihrem Kind „Pass auf, dass du das Glas nicht umschüttest. Ich kenn dich doch, du Tollpatsch, bei dir geht immer was in die Brüche. Lass mich das lieber machen.“ Das mag liebevoll gemeint sein, und vielleicht auch einfach nur praktisch gedacht (schüttet das Kind nix um, muss ich nix aufwischen). Das Kind lernt hieraus aber „Ich bin ungeschickt. Mir geht immer alles kaputt.“ Diese Überzeugung bleibt ein Leben lang, und da man von vornherein davon ausgeht, dass einem etwas runter fällt, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eintreffen. Und der Glaubenssatz sich damit bestätigen, und wieder ein Stück tiefer verankert werden.

Das Gute: Wenn man erstmal merkt, dass man solche negativen Überzeugungen hat, kann man sie auflösen und durch positive ersetzen.

Schritt 1 – negative Glaubenssätze erkennen

Das ist das schwierigste. Diese Glaubenssätze entstehen oft in der Kindheit und sind dermaßen ins Unterbewusstsein verankert, dass man sie gar nicht wahrnimmt. Du denkst sie also ständig, völlig automatisch und unbewusst. Deshalb sind sie leider so hartnäckig. Aber: Wenn du darauf achtest, wirst du sie wahrnehmen. Es ist zugegebenermaßen ein kleines Stück Arbeit. Sich bewusst zu machen, was man so denkt, den ganzen Tag lang. Aber wie gesagt, wenn du mal bewusst darauf achtest, bevorzugt in negativen Situationen, wirst du einige entdecken. Z.B. wenn dir etwas runter fällt. Was sind dann deine Gedanken? Vielleicht sowas wie „typisch, passiert mir doch immer“? Oder wenn du eine Absage bekommst, zurückgewiesen wirst. Was empfindest du dann? Dass es eh klar war, weil du schließlich nicht gut genug bist? Wenn der Erfolg ausbleibt, denkst du vielleicht dass du nicht hart genug gearbeitet hast?

Schreibe dir alle negativen Glaubenssätze, die dir auffallen auf. Vielleicht bist du überrascht, wieviele das sind.

Das wirklich fiese an diesen Überzeugungen ist, dass du automatisch nach Bestätigung suchst. Bist du also überzeugt davon, dass dir ständig alles runter fällt, lebst du nach dem Motto „Na mal sehen, wann mir heute das erste mal was runter fällt. Aha, jetzt. Na hat ja nicht lang gedauert. Typisch…“ Du führst quasi eine innere Strichliste mit heruntergefallenen Dingen. Dass du aber 5x am Tag deine Kaffeetasse unfallfrei von der Küche zum Schreibtisch transportierst, fällt dir nicht auf. Denn das ist keine Bestätigung deiner Überzeugung, also blendest du es aus.

Dass das so ist, liegt an deinem Fokus, an dem Filter deines Bewusstseins. Dein Bewusstsein kann gar nicht alles, was um dich herum passiert, aufnehmen. Das wäre viel zu viel. Deshalb hast du einen Fokus, eine Art Trichter. Alles was um dich herum geschieht, was du siehst, was du hörst, wird gefiltert. Und je nachdem wo dein Fokus liegt, gelangen entsprechende Informationen dann in dein Bewusstsein. Sicher kennst du sowas wie, deine beste Freundin wird schwanger und plötzlich siehst du überall Schwangerschaftszeugs. Dein bester Freund heiratet, und plötzlich siehst du in den Schaufenstern überall Hochzeitsalben und Werbung für Hochzeitsfotografen. Das macht eben genau dieser Filter, dessen Fokus du selbst steuerst.

Daher fällt dir auch ganz besonders auf, wenn etwas deine inneren Überzeugungen bestätigt. Und eben nicht, wenn es deine Überzeugung nicht bestätigt. So kann es passieren dass jemand eigentlich viele Erfolgserlebnisse hat, diese aber gar nicht wahrnimmt, weil im Bewusstsein nur die wenigen Misserfolge ankommen.

2.Schritt – negative Glaubensmuster in positive umformulieren

Hier sind wir dann schon bei den Affirmationen – nämlich den positiv formulierten Glaubenssätzen, wie wir uns immer wieder bewusst einprägen können.

Nimm deine negativen Glaubenssätze und formuliere sie positiv um. Z.B. wird dann aus „niemand mag mich“ ein „ich bin liebenswert, so wie ich bin“. Aus „Ich bin tollpatschig“ wird „Mir gelingt alles mit Leichtigkeit“. Mache aus „Ich bin zu dick“ einfach „Ich bin gut, so wie ich bin“.

Bei den Formulierungen musst du ein paar wenige Dinge beachten:
  • Formuliere in der Ich-Form (ICH bin liebenswert)
  • Formuliere ich der Gegenwart: Mir gelingt alles mit Leichtigkeit – statt mir WIRD alles mit Leichtigkeit gelingen. Denn „mir wird…“ – ja, und wann? Das sagt außerdem nur wieder aus, dass es jetzt nicht so ist 🙂
  • Es darf kein nicht oder kein in der Formulierung vorkommen. Warum? Weil das Gehirn kein nicht kennt. Du kennst sicher: Denke nicht an einen blauen Elefanten. Das Gehirn denkt in Bildern, und kann gar nicht anders als an einen blauen Elefanten denken, wenn du willst, dass es nicht daran denkt. Außerdem gilt hier: Du willst nicht weg vom negativen, sondern hin zum positiven. Lösungsorientiertes Denken versus Problemorientierten Denken nennt sich das. Konzentriere dich auf das, was herauskommen soll, nicht auf das, was du vermeiden/loswerden willst.

Wenn du nun einen negativen Glaubenssatz entdeckt hast und ihn in eine positive Affirmation umgeschrieben hast – was machst du damit? Ganz einfach: Sage dir diesen Satz jeden Tag vor. Vor dem Schlafen gehen, und morgens nach dem Aufwachen. Damit du auch wirklich daran denkst, kannst du z.B. ein Postit auf den Spiegel kleben und dir angewöhnen es beim Zähne putzen zu lesen. Oder du klebst dir einen Zettel auf die Klospülung, so dass du ihn dort jedesmal siehst. Ich habe eine Handyerinnerung mit meiner aktuellen Affirmation drin, und jeden Tag um 21 Uhr werde ich daran erinnert.

Die Gehirnforschung sagt, es dauert 21 Tage bis sich so ein Glaubenssatz im Gehirn verankert. Es würde also theoretisch reichen, wenn du dir 3 Wochen lang jeden Tag deinen neuen, positiven Satz vorsagst. Du kannst es dir bildlich wie eine Rolle Nähgarn vorstellen, auf dem rotes (=negatives) Garn aufgespult ist. Du willst jetzt grünes (=positives) Garn darüber spulen, so lange bis das rot nicht mehr durchschimmert. Und das dauert 21 Tage. ABER: Du wirst wahrscheinlich zwischendurch Rückschläge erleben und Sachen denken wie „ach, das bringt doch nix“. Jedes mal wenn du so etwas denkst, spulst du rückwärts, und der grüne Faden wird wieder weniger. Machst du aber unbeirrbar weiter, wird der grüne Faden wieder mehr, und irgendwann ist der rote Faden ganz weit unter dem grünen versteckt und kommt nicht mehr zum Vorschein. Viele sagen, mit 100 Tagen ist man auf der sicheren Seite.

Wenn dir das viel vorkommt, bedenke: Deine negativen Einstellungen hast du nicht „nur“ 100 Tage in dich hineingebrannt. Sondern über viele, viele Jahre hinweg. Zum Glück dauert es nicht so lange, sie loszuwerden 😉

Warum funktioniert das?

Aus dem gleichen Grund, warum die negativen Glaubenssätze funktionieren. Du legst damit einen Fokus, und dieser sucht nach Bestätigung deiner Glaubenssätze. Deinem Gehirn und deinem (Unter-)Bewusstsen ist es egal, ob diese Glaubenssätze positiv oder negativ sind. Sie sind da, und damit wird automatisch nach Beweisen gesucht, dass sie stimmen. Wenn deine Glaubenssätze negativ sind, wird dir nicht auffallen, wie oft gerade das eigentlich doch gut geht. Sind deine Glaubenssätze positiv, nimmst du die Erfolge wahr, die Misserfolge (die es vermutlich hin und wieder geben wird), gelangen nicht durch den Filter. Sie sind unwichtig, weil sie deine Überzeugung nicht bestätigen. Du hast jetzt deinen Fokus auf das positive gelegt.

Warum poste ich das in einem Mama-Blog??

Mütter haben wie alle anderen selbst negative Glaubenssätze und es schadet sicher nicht, sich dessen bewusst zu werden. Noch ein wichtiger Punkt ist aber: Wir haben gelernt, dass viele dieser Überzeugungen in der Kindheit entstehen, durch dass, was unsere Eltern uns oft gesagt haben. Und genauso übernimmt unser Kind, was wir ihm ständig sagen.

Welche Sätze hört dein Kind / deine Kinder besonders oft?

Sagst du vielleicht oft „Du bist ständig so laut“, oder „du machst immer alles kaputt“, „du nervst“, „stell dich nicht so an“ etc.? Bei diesen Sätzen gelangt das Kind zu den Überzeugungen „Ich störe“, „ich bin nicht erwünscht“, „ich mache alles kaputt“, „ich bin nicht ok, so wie ich bin“. Diese Glaubenssätze werden unsere Kinder noch lange begleiten.

Wenn du jetzt denkst, ich würde sowas zu Sohni nie sagen… Leider nein. Ich sage z.B. tatsächlich oft, dass er ständig was kaputt macht. Ich könnte jetzt sagen, dass das ja schließlich auch so ist. Aber auch das läuft durch einen Filter: Tatsächlich macht er sehr viel öfter etwas NICHT kaputt, als dass doch etwas passiert.

Ich mahne mich dann selbst zur Achtsamkeit: Wenn mir auffällt, dass ich mal wieder oft gesagt habe, dass er ständig was kaputt macht, suche ich hinterher bewusst nach Situationen wo er etwas gut gemacht hat und bestärke ihn darin. Leider schaffe ich es (noch) nicht, nur positiv zu sprechen, zu oft rutscht mir raus, was er gerade schlecht gemacht hat – natürlich vor allem wenn es mich sehr ärgert wie wenn er Milch über einen Brief schüttet… Da fällt es mir wirklich schwer nicht zu sagen „Mann, musst du IMMER alles verschütten???“ (das „immer“ ist natürlich überhaupt nicht wahr). Wenn mir das auffällt, sage ich aber bewusst die nächsten Male „Hey, du hast den ganzen Becher ausgetrunken und der Tisch ist noch immer trocken, super“.

Was auch ein spannendes Thema ist: Erwachsene knüpfen oft Bedingungen an Liebe/Erfolg etc. „Wenn ich erstmal 20kg abgenommen habe, finde ich einen neuen Partner“, „Wenn ich erstmal einen Sportwagen fahre, interessiert man sich für mich“ etc. Das weiter auszuführen würde diesen ohnehin schon langen Beitrag sprengen 🙂 Daher nur noch kurz: Solches Denken resultiert aus dem Glaubenssatz „ich bin nicht gut (genug), so wie ich bin. Erst wenn …“ – wobei das „erst wenn“ endlos weitergeht.

Daher sage ich oft zu Sohni zusätzlich zu „Ich hab dich lieb“ noch den Nachsatz „SO WIE DU BIST“

Ich hoffe, du konntest dir ein paar Anregungen holen. Falls du einen negativen Glaubenssatz entdeckst und nicht weißt, wie du ihn umformulieren sollst – schreib mir ruhig in die Kommentare. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man selbst oft betriebsblind ist und andere schnell gute Lösungen finden, auf die man selbst nicht gekommen ist 🙂

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Affirmationen, Glaubenssätze, und was das mit Müttern und Kindern zu tun hat

  1. Pingback: Selbstzweifel – go home! | Mutter.Mit.Kind

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s