Rezension: Mondpapas – Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern

Mondpapas

Mit dem Buch Mondpapas liebäugele ich schon lange. Im Grunde, seit es am 06. März 2015 im Mabuse Verlag erschienen ist, ich hatte nämlich sofort von diesem Buch gehört. Mit dem Untertitel „Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern“ schien es ja auch vollkommen auf unser Leben maßgeschneidert zu sein. Da war Sohni jedoch noch nicht ganz 2,5 und hatte sich noch nicht die Spur für irgendwelche Papa-Fragen interessiert. Ich wollte auch nicht anfangen ihm irgendwas zu erklären, bevor er danach fragt. Also habe ich das Buch auf meiner Amazon Wunschliste gespeichert und auf den „richtigen Moment“ gewartet.

Vor nicht all zu langer Zeit hat Sohni nun angefangen sich für „Papas“ zu interessieren. Nicht speziell für seinen, aber die Existenz von diversen Papas scheint ihm jetzt bewusster zu sein als noch vor einem halben Jahr. Er möchte oft mit mir oder der Babysitterin „Papa und Kind“ spielen (wie praktisch, meine Interpretation von Papa ist nämlich faul rumliegen. Allerdings tue ich das als Mama ja auch…). Neulich fragte er unvermittelt, ob er seinen Papa mal kennengelernt hat. Das wird jetzt dann wohl der richtige Zeitpunkt für die Mondpapas sein, dachte ich mir und hielt es 2 Tage später in der Hand.

Das Buch wurde geschrieben von Regina Deertz, einer Diplom-Sozialpädagogin und (verheirateten) 3fach Mama. Sie arbeitet u.a. als Familienhelferin und wird oft von Müttern gefragt, wie sie ihrem Kind am besten erklären können, dass Papa sie nie vom Kindergarten abholt. „Indem sie dieses Buch vorlesen, geben Sie den Kindern die Möglichkeit, über abwesende Väter reden zu dürfen“ heißt es im Anhang. Mondpapas wird außerdem empfohlen vom Kölner Institut für Kindertherapie (KIKT). Die gebundene Ausgabe (eine andere gibt es derweil nicht) kostet in Deutschland 12,90€, in Österreich 13,30€, in der Schweiz 16,90 Fr.

Ich habe das Buch erst einmal allein angeschaut. Sowas mache ich normalerweise nicht, aber ich hatte irgendwie Angst es könne Fragen aufwerfen, mit denen ich so spontan überfordert wäre. Nicht, dass ich dann nicht trotzdem überfordert gewesen wäre… (was für eine Logik!). Ich fühlte mich einfach sicherer, vor Sohni zu wissen, was da so drin steht.

Das Buch besteht im Grunde aus zwei Teilen. Die „Geschichte“ für Kinder findet auf 16 Doppelseiten Platz. Geschichte in dem Sinne ist es natürlich keine. Im Anschluss gibt es noch 4 Doppelseiten, die sich an die Mutter wenden. Der Kinderteil beginnt folgendermaßen:

Es gibt viele verschiedene Papas und jeder ist besonders. Manche Papas leben mit ihren Kindern zusammen und manche nicht. Einige Papas leben hinterm Mond, die Mondpapas“

Meistens stehen auf der linken Seite ein bis zwei prägnante Sätze, auf der rechten Seite sind farbige Bilder. Diese hat übrigens Leonie Rösler gemalt, eine Studentin in Kunstgeschichte. Schön ist, dass wirklich viele verschiedene Papas dargestellt werden: groß, klein, dick, dünn, Rockstar mit Gitarre, Anzugträger, schwarz, weiß. Alles dabei.

Das Buch erklärt in kurzen Sätzen, dass jeder Papa anders ist. Es gibt welche, die wohnen mit ihren Kindern zusammen, und andere nicht. Und manche leben überhaupt hinterm Mond. Fragt sich ein Kind wieso Papa nie da ist, handelt es sich vermutlich um einen solchen Mondpapa. Diese sehen aus wie die anderen auch. Es wird gezeigt, dass diese „ganz normale“ Papas sind, die aufs Klo müssen, die manchmal krank sind, manche leben allein und wieder andere haben eine neue Familie. Auch ein Papa, der vollkommen in seine Arbeit verstrickt ist und daher alles um sich herum vergisst kommt vor, ebenso einer, der von einer Krankheit gefangen ist und nicht klar denken und fühlen kann. Die Autorin zeigt also viele verschiedene Gründe auf, wieso ein Vater dauerhaft abwesend sein kann. Auf einer Seite schreibt sie, dass es vielleicht auch einen anderen Grund geben kann, warum Papa nicht da ist und fragt das Kind: „Was glaubst du“? Auf der rechten Seite hat das Kind dann Gelegenheit in einen Bilderrahmen zu malen, wie es sich seinen Mondpapa vorstellt.

Am Ende des Kinderteils geht Deertz darauf ein, dass das Kind manchmal wütend oder traurig sein kann, es aber nichts dafür kann, dass Papa nicht da ist. Dass der Papa ganz weit weg ist, unerreichbar, aber trotzdem da. Und zum Schluss der Satz „Und wer weiß, vielleicht entdeckt er eines Tages den Weg zu dir“. Das fand ich merkwürdig und hätte ich so vermutlich nicht geschrieben, ich finde es hat was von „Warte nur, eines Tages wird er sich bestimmt bei dir melden“ und ich hätte Angst, damit falsche Hoffnungen zu wecken. Aber gut, ich bin auch keine Sozialpädagogin, die Autorin wird sich dabei schon was gedacht haben.

Direkt im Anschluss folgt eine Art Ratgeber Teil für die Mama, die das Buch vorliest. Die kleinen Kapitel darin lauten:

Warum dieses Buch?
Zur psychischen Gesundheit
Was können wir für die Kinder tun?
Sätze im Gespräch könnten sein …
Sich Hilfe holen ist eine Stärke
Erziehungsberatungsstellen (hier werden nur Stellen in Deutschland aufgelistet)

So. Das ist also das Buch. Du fragst dich jetzt vielleicht, was Sohnis Reaktion darauf war? Zumindest war ich sehr gespannt. Er hörte geduldig zu (ok, so lange dauert es jetzt nicht, bis das kleine Büchlein gelesen ist…) und sagte dann: Kann ich jetzt einen Joghurt haben? Ich hab Hunger. Tjaaaaaa, so ganz umgehauen hat es ihn offenbar nicht 😉

Wir haben das Buch später nochmal gelesen, da fragte er dann aber schon bei der zweiten Seite – wo die Papas vorgestellt werden, die hinterm Mond leben – ob das da auf dem Bild sein Papa sei. Ich sagte Ja, dein Papa ist auch ein Mondpapa. Er fragte, ob wir ihn mal besuchen können. Äh, nein. Aber das lässt sich ja wenigstens gut erklären, der Mond ist schließlich doch ziemlich umständlich zu erreichen 🙂

Alles in allem finde ich das Buch sehr gelungen! Es ist so ziemlich das einzige, das mir bisher untergekommen ist, das Kindern in einer einfachen Art erklärt, wo Papa ist, wenn man eben keinen hat. Einen halben Stern Abzug gibt es für den letzten Satz, der mich doch irgendwie irritiert. Einen weiteren halben Stern ziehe ich dafür ab, dass der Ratgeberteil direkt an den Kinderteil anschließt und für das Kind kein richtiges Ende erkennbar ist – der Ratgeberteil enthält natürlich wesentlich mehr Text, aber auch einige – kleine – Bilder. Fast bei jedem Durchlesen kommt von Sohni die Frage „warum liest du nicht weiter?“. Das könnte man optisch vielleicht noch anders umsetzen, mit einer leeren Seite dazwischen oder ähnlichem.

Also von mir: 4 von 5 Sternen für Mondpapas – Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern.

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6 Gedanken zu “Rezension: Mondpapas – Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern

  1. Danke für die Buchvorstellung. Ich frag mich grad, ob mir die Sache mit dem Mond gefällt. Für mich ist es doch zu unrealistisch/ abstrakt. Ist doch schon merkwürdig wenn die Kinder dann sagen ihr Vater wohne auf dem Mond. Und wenn sie alt genug sind das zu durchblicken braucht man wieder eine neue Geschichte. Oder was meinst Du dazu? Liebe Grüße

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    • Es ist natürlich schon in gewissem Maß unrealistisch. Aber ein Buch mit dem Titel „Dein Papa ist ein Vollpfosten und hat einfach keinen Bock dich zu sehen“ gibt es ja (zum Glück) nicht 😀

      Ich denke, für Kinder bis 5 oder 6 ist die Geschichte der Mondpapas ganz gut um mal zu sehen, dass es „diese Sorte“ Papas einfach gibt. Also die, die nicht da sind, im Gegensatz zu denen, die sie bei ihren Freunden erleben. Natürlich werden sie irgendwann feststellen, dass sie nicht tatsächlich hinterm Mond leben. Aber gerade wenn sie größer sind kann man dann glaube ich schon gut erklären, dass der Mondpapa zwar in der Nachbarstadt wohnt, aber trotzdem ein „Mondpapa“ ist, einer von denen die nie sichtbar sind. Sie sollten dann später schon verstehen, dass es eine Metapher ist.

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Gespräch über den abwesenden Vater | Mutter.Mit.Kind

  3. Ich bin auch von Anfang an alleinerziehend (auch in Wien :-)). Den Erzeuger habe ich das letzte Mal gesehen, wie er es von mir erfahren hat. Meine Tochter (5) gibt sich bisher mit „Mein Papa wohnt weit weg“ zufrieden. Sie fragt nicht wirklich. Aber es beschäftigt sie doch, denn manchmal redet sie im Schlaf und ich höre irgendwas von wegen „Papa“…. :-/ Den Gedanken mit dem Mond hatte ich auch, aber wahrscheinlich ist es wirklich dann eher für kleinere Kinder geeignet. Ich hab zwar gesagt er wohnt weit weg, aber so weit nun auch wieder nicht ;-D Ich finde es auch sehr schwer ihr da irgendetwas zu sagen, was es ihr erklären könnte. Man kann es sich selbst ja kaum erklären, wie jemand „so“ sein kann…Was mich interessieren würd: Zeigst du denn deinem Kind (ungefragt) Fotos von seinem Erzeuger? Irgendwie muss es ja auch komisch sein, so überhaupt kein Bild von „ihm“ zu haben?

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    • Hach, jetzt ist meine Antwort weg weil ich nicht eingeloggt war 🙂
      Danke für deinen Kommentar. Bei uns reicht ja im Prinzip auch „wohnt weit weg“, ich denke es ist ihm schon klar, dass das mit dem Mond nicht stimmt. Sinnvoll finde ich da aber, dass man sieht dass es auch noch andere solcher „Väter“ gibt, die nicht da sind. Und dass sie alle unterschiedlich sind, und doch gleich wie die anderen Väter.

      Das macht das ganze nochmal ein Stück „normaler“, als es in unserem gelebten Alltag ohnehin schon ist. Da auch ich kein großes Ding draus mache, fragt er sehr selten nach.

      Fotos habe ich noch nie gezeigt, allerdings hätte ich auch gar keine. Müsste das FB-Profil stalken dafür 😀 Würde ich aber auch ungern machen, ich finds eigentlich ganz gut dass er kein „konkretes Bild“ vom Erzeuger hat. Denke, wenn er vielleicht eins hätte, würde er dann doch anfangen zu grübeln/hinterfragen/sich zu interessieren. Aha, wer ist das? Was macht der so? Wie ist er so?

      Naja, spätestens im Schulalter werden sie dann wohl doch genaueres wissen wollen 🙂 Aber ich denke, da kann er dann auch besser reflektieren und damit umgehen. Derweil lassen wir es mal so, wie es ist 🙂

      Liebe Grüße
      Mireya

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