von der Diagnostik zur Therapie zur Diagnostik – und zurück

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Vielleicht erinnerst du dich, dass ich auf der Suche nach einem Ergotherapie Platz für Sohni war. Inzwischen haben wir einen Platz gefunden und auch schon begonnen. Wie es dazu kam, kann man hier nachlesen, wo wir mit der Diagnostik begonnen haben und gleich am Anfang klar war, dass es sich wohl um eine Wahrnehmungsstörung handelt.

Ich würde dir gern sagen wie es weiterging, aber ich bin inzwischen so verwirrt von allem, dass ich nicht mehr weiß wo hinten und vorne ist, geschweige denn, wo überhaupt das Problem liegt. Lag. Gelegen sein wird??

Wie kam es überhaupt dazu, dass wir eine Diagnostik machen ließen?

Weiß ich gar nicht mehr sooo genau. Schon im früheren Kindergarten bemängelten die Pädagoginnen seine wilde Art. Nun ja, er ist kein Kind der Sorte „ruhig, leise, brav“. Soll´s geben. Er legte damals beim wickeln fürchterliche Szenen hin, die mir zu Hause zu schaffen machten, er war stetig mit kneifen beschäftigt und ich glaube, das war es im Großen und Ganzen schon, was uns damals schon zu einer Psychologin im Eltern-Kind-Zentrum trieb. Auf Anregung des Kindergartens, vielleicht könne man dort eine Art Hilfestellung erhalten. Dem war dann ja aber nicht so, und überhaupt stellte die Dame dort im Grunde nur fest, dass alles in Ordnung ist. Und zwar sowohl bei Sohni, als auch beim Umgang zwischen mir und Sohni.

Im nächsten Kindergarten dann aber wieder ähnliche Schwierigkeiten. Die Pädagoginnen klagten über kneifen (er spürt sich selbst und andere einfach schlecht?), und eine zeitlang folgten Szenen, wenn sie von drinnen nach draußen gehen wollten. Auch zu Hause war es unmöglich, mit ihm gemeinsam das Haus zu verlassen, wodurch ich mehrere Wochen lang nicht am Wochenende einkaufen konnte. Am schlimmsten war aber das Abholen vom Kindergarten, er machte solche Szenen, dass man meinen könnte, ich tu ihm was an. Er verfiel regelrecht in Panik wenn er mich sah und führte sich auf, als würde ihm zu Hause die Schlachtbank drohen. Wegrennen, kreischen, um sich treten und schlagen etc.

Nachdem wir alle nicht wussten, wie wir damit umgehen sollen und vor allem, wie wir das lösen sollen, wurde eine Psychologin hinzugezogen die uns riet, eine Diagnostik machen zu lassen. Diese meinte schon, es deute alles auf eine Wahrnehmungsstörung hin.

Was brachte also die Diagnostik?

Ein umfangreicher Bluttest, ein Denver Test, und ein EEG. Erstes und letztes völlig unauffällig. Die Psychologin, die für die Diagnostik verantwortlich war sagte sowas wie „Ja ja, Wahrnehmungsstörung, ganz klassisch, gehen sie zur Ergo“. Gut, ich habe schon von vielen Kindern gehört die wegen-was-auch-immer bei der Ergotherapie waren, also suchte ich uns einen Platz. Und nach 4 Monaten war er dann ja auch da.

Die Ergotherapie

Als erstes kam ein Elterngespräch, wo Sohni zu Hause blieb. Die Therapeutin hatte einen großen Fragebogen den wir gemeinsam ausfüllten, es ging hauptsächlich um Sohni´s (sozial)Verhalten, was/womit er gern spielt, wie er sich wann verhält etc. Ich sollte ihn dann noch beschreiben und schließlich sagen, was ich mir von der Ergotherapie erwarte. Das fiel mir schwer zu beantworten, da ich nicht wusste, was für Möglichkeiten es da überhaupt gibt. Einfacher war dann, als sie sagte

Wenn Sie einen Zauberstab hätten und sich jedes Ergebnis wünschen könnten, das Sie möchten – was wäre das dann?

Ich lachte und sagte, ein ruhiges und braves Kind, das auch mal am Tisch sitzen bleibt, wenn man essen geht. Sie hat ja gesagt, ich kann mir wünschen was ich will 😉 Aber im Ernst – ein Kind, dass nicht so ausrastet, wobei das inzwischen sowieso schon gar nicht mehr oft vorkommt. Zuverlässig hört, wenn man etwas verbietet/Stop sagt. Etwas distanzierter Fremden gegenüber könnte er sein, „Distanzlos“ ist ja auch ein Punkt in seiner Diagnose gewesen.

Es folgte dann eine Woche später eine Stunde mit Sohni allein – ich wartete draußen. Die Therapeutin wollte eine eigene Diagnose machen und sagte, sie braucht 1-3 Stunden dafür. Dort wurde dann geschaukelt, geklettert, irgendwas getragen/geschoben, mit Knete gespielt, gemalt etc.

Eine Woche später, diesen Freitag, folgte das weitere Elterngespräch. Sie fing mit dem positiven an, nämlich dass er sehr kreativ sei und für sein Alter wahnsinnig viel Phantasie habe (angeblich sei das bei anderen Kindern in seinem Alter noch nicht soo stark ausgeprägt – kann ich nicht beurteilen). Dann folgte ihre Vermutung, er könne etwas Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben. Er sei dort nicht gern gesprungen und von der Schaukel wollte er schnell wieder runter – sie vermutet, dass er sich unsicher fühlt und einige Muskeln noch nicht vollständig ausgeprägt seien, die für das Gleichgewicht wichtig seien. Aus dem Alltag kann ich eigentlich weder das eine (hüpfen), noch das andere (schaukeln) bestätigen – er tut beides gern und mir kommt es nicht so vor, als würde er sich dabei unwohl fühlen.

Ich zeigte ihr noch ein Video, wie er sich darüber aufregte und sich recht reinsteigerte, als ich nach Hause kam während er von der Babysitterin betreut wurde. Das findet er nämlich gar nicht lustig, wenn ich dann wieder da bin. Klar, die spielt ja mit ihm, und dass ich komme heißt, sie geht wieder.

(K)ein stimmiges Gesamtbild?

Die Therapeutin meinte, es ergibt für sie alles noch kein stimmiges Gesamtbild. Als ob ein paar Puzzleteile fehlen. Sie erkennt ein paar Sachen, an denen man ergotherapeutisch arbeiten kann (Gleichgewicht – auch wenn ich das ehrlichgesagt etwas anzweifle weil er sich sonst definitiv anders verhält, als bei ihr in dieser einen Stunde). Und die Körperwahrnehmung könnte man etwas fördern. Aber die Ursache für sein Verhalten, sieht sie dort nicht. Ihr Vorschlag: Zu einer weiteren Ärztin gehen und eine weitere Diagnose machen zu lassen, als Erweiterung zu der Bestehenden. Diese Ärztin sei auch wirklich sehr gut und bespreche die Ergebnisse mit den Eltern sehr ausführlich – dieser Punkt wird nämlich bei dem Zentrum, in dem wir waren, oft bemängelt. Ja, ausführlich besprochen hat mit mir keiner was – es hieß „machen sie Ergo“ – und dort bin ich jetzt.

Wieder auf Start??

Also was jetzt – wieder von vorne? Echt jetzt? Und, wegen was genau jetzt eigentlich nochmal? Inzwischen bin ich so verwirrt, ich weiß gar nicht mehr, wieso wir jemals mit diesem Diagnose Zeug angefangen haben. Im Gegenteil, inzwischen kommt er mir „normaler“ vor als so manch anderes Kind, dass ich auf der Straße sehe.

Die Probleme treten in Phasen auf – bis ich mal einen Termin wo bekomme, ist die problematische Phase schon lange vorbei. Das extreme Überreagieren beim Abholen  – zum großen Glück längst wieder vorbei. Kleinere Wutausbrüche weil ich z.B. nach Hause komme – ja. Die gibt es. Aber ist das nicht normal? Was ist eigentlich noch „normal“, und was „abklärungsbedürftig“? Ich kenn mich nimmer aus.

Ja, ich werde vermutlich einen Termin bei dieser anderen Ärztin machen. Aber ganz ehrlich, mir graut schon vor der Frage „Weshalb sind Sie hier?“ – was soll ich darauf antworten? Ich hab keine Ahnung… Mein Kopf ist total leer. Ja, mein Kind hat einige Macken die ich blöd finde, aber ist vieles davon nicht auch einfach Charaktersache? Kann man z.B. „wegtherapieren“, dass er andere oft nicht ernst nimmt, wenn sie ihm etwas verbieten oder ihm sagen, dass er aufhören soll? Ich weiß nicht…. Aber vermutlich wird es mir bald jemand sagen. Entweder bei der nächsten Diagnostik, oder bei der nächsten Therapie, die die nächste Diagnostik vorschlägt. Hoffentlich schlägt dann die nächste Therapeutin nicht eine weitere Diagnostik vor, die wieder eine andere Therapie vorschlägt, die wieder eine weitere Diagnostik vorschlägt *kreisch*

Wir sind jetzt dann erstmal weg – Urlaub. Den haben wir uns verdient!

Alles Liebe :-*

 

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