„Der Tannenbaum“ – eine Geschichte für mehr Achtsamkeit

tannenbaum_weiss

Vor ein paar Tagen habe ich Sohni „Der Tannenbaum“ von Hans Christian Andersen vorgelesen. Aus irgendeinem Grund kannte ich dieses alte Märchen noch gar nicht und war von der „Moral von der Geschicht“ recht angetan. Im Grunde geht es nämlich um Achtsamkeit, und das Leben im Hier und Jetzt 🎄

Falls du das Märchen auch noch nicht kennst (obwohl es schon 1844 veröffentlich wurde, gemeinsam mit der Schneekönigin, die wohl nahezu jeder kennen dürfte), kannst du es hier lesen, oder dir hier vor einem Kaminfeuer vorlesen lassen. Ich erzähle trotzdem kurz, um was es geht. Weil ich einfach die Message dahinter so schön und wichtig finde.

Also: Ein kleiner Tannenbaum wächst im Wald auf, hat viel frische Luft, schönen Sonnenschein und viele Freunde, die ihn besuchen. Er will aber endlich so groß sein, wie die anderen. Anstatt sich seines Lebens zu freuen mit dem, was er hat, denkt er tagein tagaus „ach wäre ich endlich so wie die anderen“. Als er etwas größer ist, werden die anderen Bäume gefällt. Wieder freut er sich nicht, dass er verschont bleibt sondern denkt stattdessen dass es doch besser wäre ebenfalls gefällt zu werden, aus den anderen wird jetzt vermutlich ein Seemast gebaut und sie bereisen die Welt. Die haben es gut, denkt er. Aber ich – ich muss hier bleiben. Auch im nächsten Jahr wartet er darauf, dass sein Leben „endlich anfängt“ – das wird es seiner Meinung nach nämlich erst, wenn etwas tolles passiert. Dann wird er eines Tages tatsächlich gefällt und zu den Menschen nach Hause geholt. Obwohl es das ist was er wollte, ist er nicht glücklich. Es fühlt sich nicht gut an, die Heimat und alles bekannte verlassen zu müssen. Schließlich wird er morgens in einem Wohnzimmer aufgestellt und hört, dass er am Abend in vollem Glanze erstrahlen soll. „Ach, wäre es doch nur schon abends“, denkt der Tannenbaum, und ist in Gedanken mal wieder in der Zukunft. Noch denkt er, dass auf diesen Aufputz etwas noch viel tolleres auf ihn warten muss. Die Lichter werden angezündet, und er fühlt sich zunächst unbehaglich. Anschließend stürmen die Kinder auf den Baum und plündern ihn. Am nächsten Morgen kommen zwei Männer um ihn zu holen. Er dachte eigentlich, es werde jetzt immer so prachtvoll weitergehen und hatte sich vorgenommen, es ab dem nächsten Tag zu genießen. Stattdessen landet er jedoch auf dem Speicher in einer dunklen Ecke. Lange Zeit verbringt er auf dem Dachboden, dort erzählt er vorbeikommenden Mäusen von seinem Leben im Wald, wo es so schön war und der Hase regelmäßig vorbei kam und die Sonne schien, und vom prächtigen Weihnachtsabend. „Wie bist du glücklich gewesen“ schwärmen die Mäuse. An dieser Stelle fällt ihm erstmals auf, dass sein Leben eigentlich doch recht schön war. Auf dem Dachboden wartet er Monate lang darauf, dass er wieder hervorgeholt wird – und als dies eines Tages geschieht, denkt er, sein Leben beginne jetzt erst wirklich. Doch da bemerkt er, dass er ganz vergilbt ist und all seine Nadeln abgefallen sind. „Vorbei! Vorbei!“ sagte der arme Baum. „Hätte ich mich doch gefreut, da ich es konnte! Vorbei! Vorbei!“ Der Baum wird zerhackt und landet im Feuer. Ende.

Schon während dem Lesen sind mir zig Leute eingefallen, die im Grunde so leben wie der Tannenbaum. „Wenn doch endlich …, dann …“. „Wenn ich endlich mehr Geld verdiene, dann werde ich glücklich sein“. „Wenn endlich die Schule vorbei ist, dann wird alles gut“. „Wenn ich 20kg abgenommen habe, finde ich meinen Traummann“.

So viele Leute jagen ständig dem Glück hinterher, „wenn dann“ klingt bei manchen beinahe schon wie eine Zauberformel. Ist x erstmal erreicht/geschafft, dann, und zwar ganz sicher, tritt das Glück ein. Komisch nur, dass nachdem x erreicht ist, das Glück dann doch noch nicht ins Haus strömt. Oder zumindest nicht wie erwartet. Und schon gar nicht auf ewig. Dann kommt nämlich y – ja, und wenn y dann erstmal erreicht oder geschafft ist, dann, und zwar ganz sicher, kommt das Glück. Beliebig fortzusetzen. Wir kennen alle solche Leute, oder? Und gelegentlich ertappe ich mich auch dabei, so zu denken *schreck* (konkretes derzeitiges Beispiel: Ist Sohni erstmal älter, wird alles besser).

Unter Achtsamkeit verstehe ich, die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu lenken. Sich dem bewusst zu werden, was man jetzt gerade hat. Das bedeutet im Umkehrschluss, nicht mit den Gedanken ständig in einer vermeintlichen Zukunft zu hängen (wenn erstmal x, dann endlich y). Aber eben auch, nicht in der Vergangenheit festzuhängen. Egal ob diese negativ war (es war alles so schlimm, wie soll ich jemals glücklich werden), oder aber sehr positiv war (ach, damals, da war alles so schön, es wird doch nie wieder so schön).

Der arme Tannenbaum zeigt ja in der Geschichte ganz eindrücklich, wie man immer am Glück vorbeileben kann. Erst das vermeintliche Glück in der fernen Zukunft suchen und dann eines Tages feststellen, dass man es eigentlich die ganze Zeit hatte und gar nicht gemerkt hat. Und dann ist es zu spät. Vorbei, vorbei.

Ein wirklich schönes Märchen, mit dem man Kindern gut erklären kann, was Achtsamkeit bedeutet und das es wichtig ist, im Hier und Jetzt zu leben. Ich werde den Tannenbaum noch das ein oder andere mal vorlesen 🎄

Advertisements

11 Gedanken zu “„Der Tannenbaum“ – eine Geschichte für mehr Achtsamkeit

  1. Hallo!

    Ich bin eine stille Leserin deines Blogs. Jetzt möchte ich dir einmal sagen, dass ich dich für deine Ehrlichkeit und Offenheit bewundere. Bei dir ist nicht immer alles „rosarot“. Einfach echt und authentisch! Schön, dass es das noch gibt! Mach bitte weiter so! Klingt kitschig, mein ich aber wirklich so 😉 Alles Liebe Sonja 🙂

    Gefällt mir

  2. Attractive section of content. I just stumbled upon your website and in accession capital to assert that I get in fact enjoyed account your blog posts. Any way Ill be subscribing to your feeds and even I achievement you access consistently rapidly. kffdecedbbeggdbf

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s